Projekt
HolzKreislauf – Studie über Lösungsansätze für den zirkulären Holzbau in Österreich
Auftraggeber BMLUK, Waldfonds
Status/Laufzeit abgeschlossen (
Die Baustoffindustrie steht hinsichtlich der notwendigen Energie-, Emissions- und Ressourceneinsparungen zur Erreichung der Klimaziele vor großen Herausforderungen. Maßnahmen zur Substitution fossiler Energieträger im ressourcen- und energieintensiven Bausektor reichen nicht aus, um eine umfassende Dekarbonisierung zu bewirken. Der langfristige Einsatz von Holz in Gebäuden ist ein weiterer wichtiger Baustein zum Erreichen der Klimaneutralität im Gebäudesektor. Hier sind Strategien für eine nachhaltige Steigerung sowohl des Anteils an Holz in Gebäuden, als auch an Holzbauten an sich und einer damit verbundenen langfristigen Kohlenstoffspeicherung im verbauten Holz der Zirkularität unumgänglich.
Ergebnisse der Studie (Zusammenfassung)
In der Studie werden die Massenflüsse von Holz zwischen der Holzindustrie, der Bauwirtschaft und der Abfallwirtschaft analysiert und darauf aufbauend Lösungsansätze beschrieben, die eine verstärkte und zirkuläre Nutzung von Holz in Gebäuden fördern sollen. Zudem werden die zentralen Forschungsbedarfe identifiziert und in einem Massenfluss-Szenario für das Jahr 2050 die möglichen Auswirkungen einer verbesserten Kreislaufführung von Holz aufzeigt.
Zum Download: Studie über Lösungsansätze für den zirkulären Holzbau in Österreich
Ist-Stand des Holz-Massefluss mit Fokus auf Bauwirtschaft in Österreich 2021

Ist-Stand des Holz-Massefluss mit Fokus auf Bauwirtschaft in Österreich 2021 in Mio fme (gerundet auf 100 000 fme; Quelle: eigene Darstellung; dunkelgrün: Nadelsägerundholz, hellgrün: Laubsägerundholz, braun: Zwischenprodukte und Produkte, hellgrau: „Nicht-Bau-Produkte" und Exporte, dunkelgrau: Abfälle und energetisch genutzte Holzmengen)
Der (zirkuläre) Holzbau wird momentan durch vielfältige Hemmnisse gebremst: mangelndes Wissen und Erfahrung, technische und logistische Herausforderungen beim Rückbau und der Lagerung, rechtliche Unsicherheiten, höhere Kosten und fehlende Förderungen. Zudem behindern kulturelle Vorbehalte, etablierte Vergabepraxen und die Dominanz traditioneller Baustoffindustrien die breite Umsetzung.
Die Schwierigkeit der logistischen Optimierung der relativ geringen Massenströme an Altholz für Reuse (Wiederverwendung funktionsfähiger Produkte) und Remanufacture (Wiederaufbereiten – Teile aus defekten Produkten werden für neue Produkte genutzt, die dieselben Funktionen erfüllen) wurde im Rahmen der Studie bestätigt.
Für die Weiterentwicklung einer kreislauforientierten Holzbauwirtschaft bestehen zahlreiche Forschungsbedarfe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Im Fokus stehen die Effizienzsteigerung in der Holzindustrie sowie die Entwicklung neuer Bauwerkstoffe, etwa durch den Einsatz von Rinde als Dämmstoff. Weitere Schwerpunkte liegen auf kostengünstigen, wiederlösbaren Verbindungssystemen, der Weiterentwicklung von Brand- und Schallschutzlösungen und der Erarbeitung technischer Standards für die Bewertung und Wiederverwendung von Altholz.
Ergänzend sind KI-gestützte Screening-Verfahren, Analytik- und Sortiertechnologien für Altholz sowie Strategien zum Umgang mit Schadstoffen erforderlich. Schließlich braucht es angewandte Forschung in Umsetzungsprojekten, Pilot- und Leuchtturmprojekte zum modularen Holzbau sowie Pilotanlagen, die die Wirtschaftlichkeit kombinierter stofflicher und energetischer Nutzung (z. B. Pyrolyse) jener Holzabfälle demonstrieren, welche nicht direkt stofflich genutzt werden können.
Szenario 2025: Holz-Massenflüsse mit Fokus Bauwirtschaft für Österreich

Holz-Massenflüsse mit Fokus Bauwirtschaft im Szenario 2050 für Österreich in fme (nicht dargestellt: Rohstoff, Importe/Exporte, energetisch genutzte Holzmengen und „Nicht-Bau-Produkte")
Im Szenario 2050 werden Reuse-Holzbauteile, Altholz für Remanufacture in der Holzindustrie (z.B. als Bestandteil von Leimholz) und ein Teil der anfallenden Rinde in den Kreislauf integriert. Den höchsten Anteil an der potenziellen Steigerung von bis zu 78 % von Holzbauprodukten für den Einsatz in Österreich hat allerdings das zusätzlich eingeschlagene Frischholz, das im Rahmen der Umstellung der Wälder auf klimaangepasste Baumarten in den nächsten Jahrzehnten zur Verfügung stehen wird.
Ausblick
Eine genauere Analyse langlebiger Holzprodukte im Bau ist notwendig, da aktuelle Statistiken die Masse bestimmter Produktgruppen nicht erfassen. Holz wird in Österreich bereits zirkulär genutzt, vor allem als Recycling zu Spanplatten, während Reuse und Remanufacture kaum umgesetzt werden und künftig bereits im Design berücksichtigt werden sollten.
Die begrenzte Verfügbarkeit von Altholz und logistische Hürden erschweren die Umsetzung, weshalb neue Geschäftsmodelle, Plattformen wie Reuse-Börsen, verbesserte Rückbauprozesse und standardisierte Bauteile erforderlich sind. Ergänzend sind höhere Ausbeuten in der Holzindustrie, gezielte Förderung von Holzbau und Bildungsangebote für Planer:innen und Ausführende entscheidend.
Auch die Nachnutzung nicht-konstruktiver Bauteile wie Fassaden bedarf neuer Lösungen, da Reparatur und Refurbishment derzeit oft teuer sind, als der Einsatz neuer Produkte.
Zum Download: Studie über Lösungsansätze für den zirkulären Holzbau in Österreich