Experte am Wort
Raus aus Öl und Gas: Die Technik ist gelöst – jetzt zählt die soziale Dimension
Beim klimafreundlichen Heizen denken viele zuerst an Technik: an Wärmepumpen, Erdsonden oder Fernwärme. Diese ist inzwischen so weit entwickelt, dass sich auch im städtischen Gebäudebestand fossilfreie Lösungen umsetzen lassen. Schwieriger sind heute die Fragen davor und daneben: Wie organisieren sich Nachbar:innen, wer trägt welche Kosten und welche rechtlichen Hürden stehen im Weg?
Stephan Renner, Geschäftsführer der ÖGUT, zeigt im Magazin LEBENSART, Ausgabe 3/2026, dass der Ausstieg aus Öl und Gas im Gebäudebestand heute weniger eine technische als eine soziale, rechtliche und organisatorische Aufgabe ist.
Die Umstellung gelingt nur gemeinsam
Ein Beispiel sind die Anergienetze, an denen die ÖGUT im Wiener Gründerzeitviertel Hernals arbeitet: Mehrere Nachbarhäuser schließen sich zusammen, teilen Flächen und Räume und versorgen sich gemeinsam mit Wärme. Damit das gelingt, braucht es neue Formen nachbarschaftlicher Kooperation: Wer investiert wie viel, wer trägt das Risiko, wer betreibt das Netz? Erschwerend verlangt das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) für viele bauliche Maßnahmen Einstimmigkeit, sodass eine einzige widersprechende Person ein ganzes Heizsystem blockieren kann. Im Forschungsprojekt „Lokale Wärme gemeinsam" entwickelt die ÖGUT deshalb gemeinsam mit den Hausgemeinschaften einen partizipativen 10-Schritte-Plan, der von der ersten Idee bis zur Bieterauswahl begleitet.
Soziale Hürden zeigen sich auch anderswo
Ähnliche Muster beschreibt Renner bei öffentlichen Vor-Ort-Sanierungsberatungen für Einfamilienhäuser sowie bei Erneuerbaren Energiegemeinschaften, von denen etwa Frauen und einkommensschwache Haushalte bislang seltener profitieren. Seine zentrale Botschaft: Der Ausstieg aus Öl und Gas braucht klare rechtliche Rahmenbedingungen ebenso wie Begleitung, Beratung und niederschwellige Information.
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Zum vollständigen Beitrag „Mehr als Technik" von Stephan Renner aus dem Magazin LEBENSART, Ausgabe 3/2026.
Die ÖGUT bearbeitet in den Themenbereichen innovatives Bauen und Energie Forschungs- und Umsetzungsprojekte zu klimafreundlichem, nachhaltigem Heizen und Kühlen im Gebäudebestand – von Anergienetzen über partizipative Sanierungsprozesse bis zu inklusiven Energiegemeinschaften.