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Expertin am Wort

Zirkulärer Holzbau in Österreich: Potenziale und Hemmnisse bis 2050

Holz speichert Kohlenstoff langfristig und gewinnt damit im klimafreundlichen Bauen an strategischer Bedeutung. Gleichzeitig ist die Ressource Wald begrenzt. Wie lässt sich der wachsende Holzbedarf mit zirkulären Ansätzen decken, statt ihn allein durch Frischholz zu befriedigen? Dieser Frage ist die Studie „HolzKreislauf" nachgegangen. Die Antwort fällt nüchtern aus.

Ausgangslage: Was zeigen die Holzflüsse für das Jahr 2021?

Die Studie analysierte Holzflüsse zwischen Holzindustrie, Bauwirtschaft und Abfallwirtschaft für das Referenzjahr 2021. Ergebnis: Von den rund 2,8 Millionen Festmeteräquivalenten an Holzbauprodukten, die in Österreich eingesetzt wurden, landete nur rund ein Prozent in der Wiederverwendung oder Wiederaufbereitung. Das meiste Altholz geht trotz des grundsätzlichen Potenzials für höherwertige Nutzungen ins Recycling für Spanplatten oder wird thermisch verwertet.

Ist-Stand des Holz-Massefluss mit Fokus auf Bauwirtschaft in Österreich 2021 in Mio fme (gerundet auf 100 000 fme; Quelle: eigene Darstellung; dunkelgrün: Nadelsägerundholz, hellgrün: Laubsägerundholz, braun: Zwischenprodukte und Produkte, hellgrau: „Nicht-Bau-Produkte" und Exporte, dunkelgrau: Abfälle und energetisch genutzte Holzmengen)

Was bremst den zirkulären Holzbau?

Die beiden Autor:innen nennen in ihrem Beitrag „„HolzKreislauf“ – zirkuläres Szenario für Holznutzung in der Bauwirtschaf“ mehrere Ursachen für die geringe Wiederverwendungsrate:

  • fehlendes Wissen für den zerstörungsfreien Rückbau,
  • rechtliche Unsicherheiten bei Haftung und
  • fehlende Standards für gebrauchte Bauteile,
  • geringe Wirtschaftlichkeit (neue Holzprodukte sind oft günstiger als das aufwendige Sortieren und Lagern von Altholz),
  • aufwändige Logistik: Stabile sekundäre Wertschöpfungsketten lassen sich unter den aktuellen Bedingungen kaum etablieren, weil die verfügbaren Mengen zeitlich, räumlich und mengenmäßig nicht ausreichen.

„In Österreich liegt ein ungenutztes Potenzial an Holz in bestehenden Gebäuden. Um es zu heben, braucht es nicht nur technische Lösungen, sondern auch rechtliche Klarheit, neue Geschäftsmodelle und gezielte Förderung", so Veronika Reinberg.

Use-Cases Gründerzeithäuser

Als konkrete Use-Cases untersuchte die Studie Wiener Gründerzeithäuser, die einen vergleichsweise hohen Holzanteil aufweisen: Decken, Dachwerk, Fenster, Türen und Böden bestehen häufig noch aus Holz. Die Analyse zweier Fallbeispiele ergab Holzmengen zwischen 47,9 und 70,2 Kilogramm pro Brutto-Quadratmeter, was ein Hinweis auf das urbane Materiallager ist, das beim Rückbau mobilisiert werden könnte.

Was wäre bis 2050 möglich?

Der Beitrag skizziert ein Zukunftsszenario: Im Vergleich zu 2021 könnte der Einsatz von Holzbauprodukten in Österreich bis 2050 um 78 Prozent steigen, und zwar durch ein Zusammenspiel aus erhöhtem Frischholzaufkommen aus klimafitten Wäldern, gesteigerter Effizienz in der Holzindustrie, Remanufacturing von Altholz und (mengenmäßig kleiner, aber symbolisch wichtig) durch direkte Wiederverwendung über Reuse-Börsen. Durch Wiederverwendung und Remanufacturing ließen sich laut Studie rund 0,6 Millionen Festmeteräquivalente an primärem Sägerundholz ersetzen.

Holz-Massenflüsse mit Fokus Bauwirtschaft im Szenario 2050 für Österreich in fme (nicht dargestellt: Rohstoff, Importe/Exporte, energetisch genutzte Holzmengen und „Nicht-Bau-Produkte")

Die ÖGUT hatte die Projektleitung des vom BMLUK im Rahmen des Waldfonds geförderten Projekts HolzKreislauf – Studie über Lösungsansätze für den zirkulären Holzbau in Österreich inne; Projektpartner waren das Architekturbüro Reinberg, die BOKU Wien sowie die Plattform BioBASE.

Weiterlesen und Studie herunterladen

Den Beitrag „HolzKreislauf – zirkuläres Szenario für Holznutzung in der Bauwirtschaft" von Veronika Reinberg und Georg W. Reinberg aus der Fachzeitschrift „Der Plan", Nr. 67, Mai 2026, finden Sie hier (Seite 18)

Die Studie „HolzKreislauf – Lösungsansätze für den zirkulären Holzbau in Österreich" steht zum Download zur Verfügung.

Kontakt

Veronika Reinberg steht für Fragen zu zirkulärem Holzbau, Materialflüssen und nachhaltiger Ressourcennutzung gerne zur Verfügung.

 

Die ÖGUT ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die sich seit 1985 für eine nachhaltige Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft einsetzt. Als Plattform vernetzt sie mehr als 130 Organisationen aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Schwerpunkte: zukunftsfähige Energielösungen, Sustainable Finance, Innovatives Bauen, Kreislaufwirtschaft, Partizipation sowie Gender & Diversität.

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