© Bianca Pfefferer/ÖGUT

Veröffentlichung

Empfehlungen für die Umsetzung von Anergienetzen im urbanen Raum

Für die Umsetzung der europäischen Klimaziele bedarf es neuer Lösungen für die Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser in der bebauten Stadt. In Wien liegt der Anteil an Wohnungen, die derzeit noch mit Erdgas beheizt werden, bei etwa 55%. Die Fernwärme soll in Wien von derzeit 45 % auf 56 % bis zum Jahr 2040 ausgebaut werden. Damit müssen für die restlichen 44% der Wohnungen andere, nachhaltige Formen der Wärmeversorgung umgesetzt werden.

Anergienetze

Die Expert:innen der ÖGUT haben im Rahmen von "Anergie WieNeu+" die Eignung von neun Häuserblöcken im Grätzlgebiet für die Errichtung von Anergienetzen geprüft. Wo Einzellösungen aufgrund von Platzmangel technisch schwer umsetzbar sind, bieten liegenschaftsübergreifende Nahwärme-Netze (Anergienetze) eine gute bzw. tragfähige Alternative.

Neben der technischen Analyse lag der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit den Eigentümer*innen, um Hindernisse wie Mehrheitsbeschlüsse, Eigentümerstrukturen nach WEG oder unterschiedliche Sanierungsstände erfolgreich zu bewältigen.

Das Projekt entwickelte Empfehlungen, wie Anergienetz-Startzellen erfolgreich initiiert und begleitet werden können, und dokumentierte die Erkenntnisse als Leitfaden für künftige Projekte.

Erkenntnisse und Empfehlungen zur Umsetzung von Anergienetzen in der bebauten Stadt

  • Anergieprojekte sind förderfähig, selbst bei theoretischer Fernwärmeanschlussmöglichkeit, dies ist ein wichtiger Anreiz für innovative Lösungen.
  • Langfristige Planung ist entscheidend: Dekarbonisierung im Bestand erfordert frühzeitige Umstiegskonzepte, abgestimmt auf Bauzyklen und Energiebedarfe.
  • Eine externe Begleitung durch erfahrene Beratungsorganisationen ist zwingend erforderlich, um Eigentümer*innen von der Idee bis zum Vertragsabschluss professionell zu begleiten und zu unterstützen.
  • Entscheidungsprozesse in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) gestalten sich langwierig und konfliktanfällig. Ohne eine neutrale Moderation oder Mediation kommt es häufig zu einem Stillstand.
  • Hausverwaltungen sind Schlüsselfiguren, müssen allerdings gesondert beauftragt werden, da diese Aufgaben nicht Teil der ordentlichen Verwaltung sind. Schulungen und Informationsangebote sind wichtige Ansatzpunkte.
  • Musterlösungen und Handlungshilfen bzw. -empfehlungen – bspw. Ein praxisorientierter „10-Schritte-Plan" für Anergienetzprojekte – könnten die Einstiegshürden erheblich senken.

Weiterlesen – nützliche Links

  • Die genauen Projektergebnisse können Sie hier nachlesen: Endbericht des Projekts WieNeu+ (Ein Projekt mit Unterstützung der Stadt Wien, Technische Stadterneuerung (MA 25) im Rahmen der Grätzlförderung für das Gebiet 20 + 2 der Stadt Wien und des Österreichischen Städtebundes)
  • Wir empfehlen, jedenfalls auch den gesamten Bericht „WieNeu+ im Grätzl 20+2 - Gesamtheitlichen Stadterneuerung in der Brigittenau und Leopoldstadt 2023-2025" der Stadt Wien – Technische Stadterneuerung anzuschauen, da er weitere wichtige Projekte vorstellt.
  • So geht es weiter: Im Projekt Lokale Wärme gemeinsam in Hernals entwickelt die ÖGUT einen innovativen 10-Schritte-Plan für Anergienetze. Ziel ist die Umsetzung gemeinschaftlicher, nachhaltiger Wärmeversorgung abseits der Fernwärme. Die Neuheit liegt in der integrativen Herangehensweise, die technische, soziale und rechtliche Aspekte gleichwertig berücksichtigt.
  • Angebot: Klimafreundliches Heizen beim Wohnen – Begleitung für Hauseigentümer:innen, Eigentümer:innen-Gemeinschaften und Hausverwaltungen

Kontakt

In der ÖGUT sind Tina Tezarek, Barbara Ruhsmann und Gerhard Bayer erfahrende Begleiter:innen am Weg zu Anergienetzen im urbanen Raum.

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