ÖGUT-Umweltpreis 2025

Nominiert in der Kategorie "Unternehmen am Weg zur Kreislaufwirtschaft"

LIVIN Farms AgriFood GmbH für 

„Zero Waste Protein Factory, Umwandlung von organischen Nebenprodukten in Proteine, Fette und Dünger in Wien-Simmering"

© Aurelian Böhler

Die Zero Waste Protein Factory von LIVIN farms ist eine innovative und automatisierte Lösung zur Verwertung organischer Reststoffe und deren Umwandlung in hochwertige Proteine, Fette und Dünger. Dabei werden am Standort in Wien-Simmering jährlich bereits bis zu 6.000 t organische Reststoffe aus der Industrie an proteinreiche Larven der Schwarzen Soldatenfliege verfüttert - ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Darüber hinaus werden derzeit weitere Anlagen in ganz Europa realisiert.

Hohe Nachfrage nach Proteinquellen für Tiernahrung und Fischzucht

Mit der zunehmenden Nachfrage nach Proteinerzeugnissen in Österreich, der EU und weltweit gewinnen alternative Proteinquellen an Bedeutung. Europa importiert derzeit 74 % seines proteinreichen Futters, während gleichzeitig große Mengen organischer Reststoffe anfallen. Diese Entwicklungen verdeutlichen den dringenden Bedarf an nachhaltigen, innovativen Lösungen, sowohl in Österreich als auch global.

Lösungsansatz: industrielle Insektenproduktion

Ein vielversprechender Lösungsansatz ist die industrielle Insektenproduktion. Der globale Insektenmarkt (2022 wurde er mit rund 1,1 Mrd. USD bewertet) soll sich bis 2031 mehr als verdoppeln. Besonders Tiernahrung und Fischzucht verzeichnen eine Nachfrage, die das Angebot bereits übersteigt.

Die Zero Waste Protein Factory von LIVIN farms ist eine vollautomatisierte Gesamtlösung zur Verwertung industrieller, organischer Reststoffe. Diese werden als Futter für die Larven der Schwarzen Soldatenfliege genutzt, aus denen proteinreiche Produkte wie Futtermittel, Fette und Dünger entstehen. Das kompakte Indoor-Farming-System ist wetterunabhängig, energieeffizient und einfach zu bedienen.

Enge Verzahnung von Biologie und Technologie

Ein besonderes Merkmal ist die enge Verzahnung von Biologie und Technologie, ein Aspekt, der bei klassischen Anlagenherstellern oft vernachlässigt wird. Die erste funktionierende Anlage in Wien-Simmering zeigt, dass die Insektenproduktion auch im urbanen Raum möglich ist. Weitere Anlagen entstehen bereits in Österreich, Spanien, Deutschland, Belgien und der Ukraine, weitere sind europaweit in Planung.

Das Potenzial dieser Lösung liegt insbesondere in der Skalierung und Automatisierung, um auch große Mengen industrieller organischer Reststoffe, wie etwa Biertreber, effizient und wirtschaftlich zu nutzen. Das von LIVIN farms entwickelte System basiert auf einem Indoor-Farming-Konzept und ist daher wetterunabhängig. Es benötigt vergleichsweise wenig Fläche, ist bedienerfreundlich und trägt zur CO₂-Einsparung bei.

Das hat die Jury überzeugt

„Das Projekt „Zero Waste Protein Factory" von LIVIN farms ist ein innovatives, vollautomatisiertes System zur Umwandlung organischer Reststoffe in hochwertige Proteine, Fette und Dünger und trägt damit wesentlich zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs bei. Durch Upcycling von bis zu 6.000 Tonnen Industrieabfällen pro Jahr, zeigt das Projekt eindrucksvoll, wie Kreislaufwirtschaft funktionieren kann. Die modulare, skalierbare Technologie ermöglicht eine breite Übertragbarkeit in verschiedene Anwendungsbereiche", so die Jury in ihrer Begründung.

Projektkonsortium

Im Rahmen der Entwicklung der Zero Waste Protein Factory am Standort in Wien-Simmering, gab es Forschungen von unterschiedlichen Stakeholdern, um die Entwicklung der Anlage zu optimieren:

  • Raumberg-Gumpenstein Research & Development: Emissionsmessungen aus den Klimakammern bei der Aufzucht der Insektenlarven, zur Optimierung der Systeme
  • Fachhochschule Joanneum: Zusammenarbeit in einem EU Projekt zu "Sustainable Protein. Integrated Insect Innovations - spi3" LF Insektenfütterung und einsetzbare Substrate
  • Fachhochschule Campus Wien: Forschung zur Gewinnung von Chitosan aus Häuten von Insektenlarven als möglicher zusätzlicher Output im Verwertungskreislauf.
  • Universität für Bodenkultur Wien: Tierernährungsdepartment für die nachhaltige Ernährung der Schwarzen Soldatenfliegenlarve und zur Fütterung an Nutztiere, Entwicklung einer Futterkurve für die Black Soldier Fly Larven.

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Monika Auer (ÖGUT-Generalsekretärin), Katharina Unger und Eva Szalai (Livin Farms AgriFood GmbH), Stephan Bruck (AQA GmbH). © Katharina Schiffl