ÖGUT-Umweltpreis 2025

Nominiert in der Kategorie "Unternehmen am Weg zur Kreislaufwirtschaft"

PAPTEX GmbH und Co KG / MARY ROSE GmbH und Studio Handels GmbH für

„Ganzheitliche Transformation eines Heimtextilbetriebs hin zur Kreislaufwirtschaft"

© Lisa Mathis und Mary Rose GmbH

Als international tätiges österreichisches Heimtextilunternehmen hat PAPTEX/MARY ROSE gemeinsam mit dem Handelspartner Studio Tyrler in Innsbruck eine ganzheitliche Transformation hin zu einem Kreislaufwirtschaftsmodell entwickelt und bereits umgesetzt. Sie umfasst den gesamten Produktlebenszyklus - von nachhaltiger Produktion über langlebige, reparierbare Produkte bis zu Rücknahme, Reparatur, Wiederverwendung und Recycling. Parallel wird Bewusstsein für nachhaltigen Konsum sowie faire Arbeitsbedingungen gefördert.

Ausgangspunkt dieses langjährigen Projektes ist das steigende Bewusstsein über die Probleme der konventionellen Textilbranche wie energie- und wasserintensive Produktion, Schadstoffe, Arbeitsbedingungen sowie enorme Abfallmengen. In Österreich werden nur etwa 4% der jährlich anfallenden über 200.000 t Textilabfälle tatsächlich wiederverwendet oder recycelt. Daraus ergibt sich für Textilunternehmen die Notwendigkeit, eigene Verantwortung zu übernehmen, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren.

Mehr als nur kreislauffähig

Ziel für PAPTEX und MARY ROSE war, Produkte zu entwickeln, die von vornherein für den Kreislauf konzipiert wurden – und nicht nur kreislauffähig sind. Dazu müssen Produkte von Beginn an bewusst nach Cradle-to-Cradle-(C2C) Prinzipien schadstofffrei, ressourcenschonend, reparierbar, recycelbar und sozial fair hergestellt und zugleich Strukturen für Rücknahme, Reparatur, Wieder- und Weiterverwendung sowie für Recycling geschaffen werden.

In Kooperation mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs und unabhängigen Zertifizierern schaffen entsteht ein ganzheitliches eigenes System, das Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus hinweg übernimmt und das Abfallwirtschaftssystem entlastet.

Weniger Textilabfall – geringere Umweltschäden

PAPTEX und MARY ROSE zielen mit ihrem Kreislaufwirtschaftsmodell darauf ab, die Textilabfallmenge zu reduzieren und Umweltschäden zu vermeiden. Dies soll durch eine kontinuierliche Erhöhung der Rückgabequote, idealerweise bis zu 70-80 % sowie durch die Förderung spezifischer hochwertiger Herstellungs-, Reinigungs- und Behandlungsverfahren erreicht werden. Darüber hinaus werden Konsument:innen durch gezielte Informationen im Shop und online, durch Schulungen unseres Verkaufspersonals sowie durch Anreizsysteme für die Rückgabe sensibilisiert. Das trägt aktiv zu einem veränderten Konsumverhalten bei. Damit wird eine ressourcenschonende, kreislauforientierte und zukunftsfähige Textilwirtschaft gefördert. Das Projekt basiert auf den Prinzipien des Ecodesigns und des C2C Ansatzes und steht im Einklang mit der EU-Kreislaufwirtschaftsstrategie sowie der Abfallhierarchie.

Umsetzung sozialer und nachhaltiger Maßnahmen

  • Ökologisches und kreislauffähiges Design: Die Heimtextilien sind nach den C2C-Prinzipien entwickelt (C2C-Gold-Level Full Scope Zertifizierung), zum Einsatz kommt GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle und sichere, hochqualitative sowie schadstofffreie Materialien, die durch das C2C Material Health Assessment verifiziert wurden. Die biologische Abbaubarkeit wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck geprüft.
  • Förderung von Langlebigkeit und Kreislauffähigkeit: Die Produkte enthalten reparierbare und leicht trennbare Komponenten, wie beispielsweise natürliche Knöpfe. Die Verpackungen wurden nach EU-Anforderungen bewusst reduziert und auf nachhaltige, recycelbare Lösungen umgestellt wie FSC-zertifiziertes Papier. In den Shops und auf der Website sind leicht zugängliche Informationen verfügbar, auch zu praktischen Hinweisen während des Konsums, die die Lebensdauer der Produkte verlängern.
  • Ressourcenschonung und Energieeffizienz: Für die Entwicklung und den Einsatz nachhaltiger Alternativen zu konventionellen Kunstfasern besteht eine Kooperation mit der OceanSafe AG. So konnte der Ressourcenverbrauch durch Mischtextilien reduziert werden. Gemeinsam mit Produktionspartnern in der Türkei wurden Maßnahmen zur Implementierung erneuerbarer Energien begleitet. Seit 2023 deckt eine Dach-Solaranlage den gesamten Strombedarf der Produktion (ca.125.000 kWh) ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Durch den Einsatz von Bio-Baumwolle aus der Region der Produktion wurden die Transportwege reduziert. Das gilt ebenfalls für das in Innsbruck beim Shop aufgebaute System zur Reinigung und zum Wiederverkauf in Österreich.
  • Soziale Verantwortung & Transparenz: Um faire Arbeitsbedingungen zu etablieren, soziale Standards einzuhalten und Transparenz entlander Lieferkette sicherzustellen gibt es eine Zusammenarbeit mit unabhängigen Zertifizierern und Auditoren und besonders mit der Fair Wear Foundation (FWF). Wo FWF nicht anwendbar ist, finden andere Audits (z.B. Amfori BSCI) statt.
  • Rücknahme, Wiederverwendung & Upcycling: Die Maßnahmen beinhalten die Einführung eines eigenen Rücknahmesystems mit direkten Rückgabemöglichkeiten und Sammelboxen in den Shops. Außerdem gibt es ein Anreizsystem mit 10 % Rabatt sowie die Möglichkeit der einfachen Abgabe ohne Beleg. Die Informationen dazu sind leicht zugänglich, auch durch Schulungen des Verkaufspersonals und auf der Website von MaryRose. Die Implementierung eines RFID-Systems ermöglicht die Rückverfolgbarkeit von externen Sammelstellen in Kooperation mit der Caritas. Direkt beim Tyrler Shop wurde eine Näh- und Reparaturwerkstatt zur Textilaufbereitung eingerichtet. Die Organisation von Vintage und Second-Hand Verkäufen sorgt dafür, dass Produkte wieder in den Kreislauf zurückzuführt werden. Eine Teppichproduktion aus rückgenommener Ware wurde in Rumänien aufgebaut, falls eine Wiederverwendung nicht mehr möglich ist. Die Herstellung erfolgt so weit möglich händisch, um den Energieeinsatz zu reduzieren, und ohne Zusatz von Chemikalien. Für die Duvets wurde im Shop ein spezialisiertes Reinigungsverfahren errichtet, das zur Lebensverlängerung sbeiträgt.

Das hat die Jury überzeugt

Die Jury war vom Projekt „Ganzheitliche Transformation eines Heimtextilbetriebs hin zur Kreislaufwirtschaft" überzeugt, da es das Thema Textilabfälle adressiert. „Das Projekt denkt Kreislaufwirtschaft im Textilbereich ganzheitlich, von Design, Herstellung bis hin zu Reparatur und Rücknahme. Dabei setzt es mit der ganzheitlichen Transformation auf das Konzept der „Reverse Supply Chain". Besonders hervorzuheben ist auch der integrierte Ansatz, der nicht nur ökologische, sondern auch soziale Standards entlang der gesamten Lieferkette berücksichtigt", so die Jury in ihrer Begründung.

Geplante Weiterentwicklungen

Geplante Weiterentwicklungen umfassen die Verstärkung und Weiterentwicklung des RFID-Systems und Integration des Digital Product Passport gemäß der EU-ESPR. Dadurch wollen wir Transparenz entlang der gesamten Lieferkette, eine verbesserte Rückverfolgbarkeit sowie höhere Recyclingquoten ermöglichen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erweiterung des Einsatzes von NaNea, als nachhaltige schadstofffreie Alternative zu konventionellem Polyester.

Darüber hinaus legt das Projektteam großen Wert auf Öffentlichkeitsarbeit und Wissensaustausch. Sie präsentieren das Projekt regelmäßig auf Fachveranstaltungen und in Netzwerken, um die Übertragbarkeit des Modells in die gesamte Branche zu fördern. Durch gezielte Schulungen des Verkaufspersonals sowie Informationsangebote und Anreize im Handel und auf der Website wird die Öffentlichkeit für nachhaltigen Konsum und stärken deren Wahrnehmung sensibilisiert.

Projektteam

Zu dem Projekt gehört das Team von PAPTEX GmbH & CO KG, MARY ROSE GmbH und von Studio Handels GmbH TYRLER seit 1825.

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Monika Auer (ÖGUT-Generalsekretärin), Stefan Grabher, Konstanze Grabher, Sara Viganò und Günther Haid (PAPTEX GmbH und Co KG / MARY ROSE GmbH), Stephan Bruck (AQA GmbH). © Katharina Schiffl