ÖGUT-Umweltpreis 2025

Nominiert in der Kategorie "Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement" - Bottom-Up

Fürst Holding GmbH für 

„Tischlerei Melk – Partizipative Quartiersentwicklung als Modell für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung"

Tischlerei Melk © Fürst Möbel GmbH

In Melk entsteht auf einem ehemaligen Tischlereiareal ein multifunktionales, klimaneutrales Quartier, das Handwerk, Bildung, Kultur, Wohnen und nachhaltiges Wirtschaften verbindet. Über 1.000 Menschen wurden im Rahmen eines breit angelegten Bürger:innenbeteiligungsprozesses eingebunden. Erstmals sind Bürger:innenvertreter:innen auch stimmberechtigt in der Jury eines Architekturwettbewerbs vertreten. Das Projekt gilt als Pionier für echte Partizipation im ländlichen Raum.

Stillgelegte Tischlerei als Modellquartier wiederbelebt

Der ehemalige Industriestandort der Tischlerei Fürst im Zentrum von Melk wurde nach jahrzehntelanger Nutzung stillgelegt. Anstatt die Flächen zu veräußern, wurde beschlossen, sie als gemeinschaftlich gestaltetes Modellquartier zu entwickeln. Initiiert von Lukas Fürst, inspiriert durch Ansätze von Marlene Engelhorn und dem Programm „New European Bauhaus" entstand in Kooperation mit diversen regionalen Akteur:innen ein neuartiger Beteiligungsprozess, der Partizipation in Regionalentwicklung neu denkt. Und dieser war essenziell für die Region, die vor großen Herausforderungen steht.

Die Region kämpft mit Abwanderung junger Menschen: Viele gehen zum Studium / für die Arbeit nach Wien, Linz oder Graz und kehren meist nicht zurück. Das führt zu Überalterung, zu Fachkräftemangel und gesellschaftlicher Vereinzelung.

Dem wirkt die Initiative mit urbanen Impulse entgegen: Räume für Mitgestaltung und echte Begegnung in den ländlichen Raum zu bringen. Damit schaffen alle Mitgestalter:innen attraktive Perspektiven für junge Menschen, stärken das Wir-Gefühl und sichern die Zukunft der Region.

Dabei standen folgende Ziele im Vordergrund:

  • Transformation einer Industriebrache in ein lebendiges, klimaneutrales Quartier.
  • Aufbau eines Modells für partizipative Regionalentwicklung im ländlichen Raum.
  • Stärkung von Gemeinschaft, Bildung, Handwerk und Kultur als zentrale Säulen nachhaltiger Entwicklung.
  • Schaffung von Räumen der Mitbestimmung, Begegnung und Innovation

Design des Entwicklungsprozesses und erste konkrete Ergebnisse

Die frühe und echte Mitbestimmung der Bevölkerung hat Akzeptanz, Vertrauen und Verantwortungsgefühl geschaffen. Die Region identifiziert sich mit dem Projekt, junge Menschen finden neue Perspektiven in Melk. Verwaltung, Forschung und Bürgerschaft arbeiten partnerschaftlich – ein Modell für zukünftige Regionalentwicklung.

Den Auftakt des Entwicklungsprozesses bildeten rund 500 Expert:innengespräche mit Politik, Verwaltung, Bau, Architektur und Wissenschaft, sowie mehrere internationale Studienreisen, um Erfahrungen aus nationalen und internationalen Projekten zu sammeln. Die Erkenntnisse bildeten die Basis für die Workshops und Fokusgruppen mit der Bevölkerung. Parallel dazu wurde ein Bürger:innenrat installiert, der die Basis für das Raumprogramm erarbeitete und die Wünsche der Region darin verankerte.

Es gibt bereits Ergebnisse des Entwicklungsprozesses:

  • Coworking Space mit 16 Coworkern,
  • FamilienQuartier mit 4.500 Teilnehmenden im Jahr 2024,
  • 500 Kinder durften 17 unterschiedliche Handwerksberufe im KIKO erleben,
  • das erste Hostel Niederösterreichs: Dreamfactory,
  • diverse Eventformate wie Afterwork-Events, Innovationsstammtische, Dokumentarfilm-Abende, Reperaturcafe, etc
  • Revitalisierung von 3.000 m² Brachfläche im Stadtzentrum
  • Belebung der Region durch 25.000 Menschen pro Jahr am Areal

So soll es weitergehen

Der Entwicklungsprozess ist über Generationen gedacht, die unmittelbar geplanten Folgeaktivitäten sind:

  • Umsetzung der baulichen Quartiersentwicklung ab 2026,
  • Fortlaufende Bürger:innenbeteiligung in Planungs- und Bauphase sowie
  • Aufbau eines ländlichen Innovationsnetzwerks für die gesamte Region,
  • Entwicklung von weiteren Pilotprojekten zur partizipativen Regionalentwicklung in ganz Österreich

Das hat die Jury überzeugt

„Die Tischlerei Melk setzt sich als regionales Unternehmen für das Gemeinwesen ein und teilt Ressourcen, indem es neue Initiativen gestaltet und neue Formen der Beteiligung ermöglicht. Durch die kollaborative und partizipative Arbeit setzt sich die Tischlerei aktiv gegen Abwanderung der Bewohner:innen ein und stärkt den Zusammenhalt in einem klein-städtischen Raum", so die Jury in ihrer Begründung.

Kooperationspartner:innen inkl. Forschungsprojekte

  • Politik & Verwaltung: Stadtgemeinde Melk, Land NÖ, BMIMI (TIKS Call), BMLUK (Waldfonds), Klima- und Energiefonds (Leuchttürme der Wärmewende) WKO NÖ, AKNÖ,
  • Unternehmen: AKXSO GmbH, Green4Cities, FH St. Pölten, Moocon GmbH, Dietrich Untertrifaller
  • Universitäten und FH: TU Wien, Uni Wien, BOKU, FH Kärnten, FH St. Pölten
  • NGO & Vereine: Verein Werkraum Melk, Verein merkwürdig, Wachau Kultur Melk GmbH, digital makers hub, Makerspace Amstetten, Bundesstiftung Baukultur, LEADER, Radlobby, Brachflächendialog (Flächenrecycling),
  • Netzwerke auf nationaler und internationaler Ebene im Rahmen des New European Bauhaus

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Monika Auer (ÖGUT-Generalsekretärin), Lukas Fürst (Fürst Holding GmbH), Bernhard Herzog (M.O.O.CON GmbH), Jürgen Schneider (BMLUK). © Katharina Schiffl