ÖGUT-Umweltpreis 2025

Nominiert in der Kategorie "Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement" - Bottom-Up

Ströme Energiegenossenschaft e.Gen für 

„Ströme Energiegenossenschaft – Das Strömen kann beginnen!"

© Tobias Zachl

Die „Ströme Energiegenossenschaft" wurde am 10. Oktober 2023 von 36 engagierten Bürger:innen in Steyr gegründet – getragen von der Überzeugung, dass die Energiewende nicht von oben verordnet, sondern von unten gestaltet werden muss. Mitglieder der Genossenschaft sind dabei echte Miteigentümer:innen statt bloßer Kapitalgeber:innen. Die erste PV-Anlage wurde im Mai 2025 in Betrieb genommen.

Mitglieder werden zu Miteigentümer:innen und Mitgestaler:innen

Ziel der „Ströme Energiegenossenschaft" ist es, erneuerbare Energie in die Hände der Menschen vor Ort zu legen – unabhängig, transparent und demokratisch organisiert. Im Gegensatz zu den meisten österreichischen Energiegemeinschaften, bei denen das Teilen von Strom im Vordergrund steht, verfolgt Ströme einen völlig anderen Ansatz: Die errichteten Photovoltaikanlagen bleiben im Eigentum der Genossenschaft. Mitglieder werden damit zu tatsächlichen Miteigentümer:innen und Mitgestalter:innen der Energiewende. Ihre Einlagen und Stimmrechte schaffen Stabilität, Sicherheit und Beteiligung mit Substanz. Jede Investition fördert nicht nur den Klimaschutz, sondern stärkt auch regionale Strukturen und das Vertrauen in gemeinsames Handeln.

Organisationsstruktur der „Ströme Energiegenossenschaft"

Die Organisation ist als eingetragene Genossenschaft strukturiert. Die konzeptionelle und operative Arbeit trägt im Wesentlichen der ehrenamtlich tätige, siebenköpfige Vorstand, unterstützt durch freiwillige Helfer:innen in Administration und Event-Organisation. In den ersten 18 Monaten sorgte eine KLIEN-Förderung für innovative Energiegemeinschaften für die Mitfinanzierung externer Beratungsleistungen. Mittelfristig ist eine Kombination aus bezahlten Mitarbeiter:innen und ehrenamtlichem Engagement geplant, sobald die Wachstumsziele erreicht sind.

© Helena Wimmer

Transparente Kommunikation

Von Beginn an legte Ströme großen Wert auf maximale Transparenz und Sichtbarkeit.

  • Zahlreiche Presseberichte, regelmäßige Newsletter und Veranstaltungen machten die Initiative in Steyr und der Region bekannt.
  • Die Eröffnung der ersten PV-Anlage in St. Ulrich war ein mediales Ereignis, bei dem Mitglieder, Landwirt:innen, Bürger:innen und Politiker:innen Seite an Seite standen, als die erste Kilowattstunde ins Netz eingespeist wurde.
  • Schon vor der offiziellen Gründung startete ein monatlicher Stammtisch mit Fachvorträgen zur Energiewende, ergänzt durch
  • Vernetzungstreffen mit regionalen Initiativen, der Stadt Steyr, umliegenden Gemeinden und der Bezirksbauernschaft.

Angebote für unterschiedliche Zielgruppen

Der innovative Strom-Vorauskauf erlaubt Mitgliedern, ihren Bedarf für 20 Jahre im Voraus zu einem Fixpreis von 12 Cent pro kWh zu sichern. Parallel dazu können bereits ab 100 Euro Genossenschaftsanteile erworben werden. Damit spricht Ströme unterschiedliche Zielgruppen an:

  • Mieter:innen und Wohnungseigentümer:innen, die keine eigene PV-Anlage errichten können,
  • Flächeneigentümer:innen, die ohne Know-how oder Kapital Partner:innen suchen, sowie
  • Bürger:innen mit frei verfügbarem Kapital, die in reale und regionale Projekte investieren wollen.

Erste Ergebnisse

In weniger als zwei Jahren gelang es Ströme, mit rein bürger:innengetragenen Investitionen von über EUR 390.000 drei Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 460 kWp zu errichten. Damit werden nicht nur jährlich erhebliche Mengen an CO₂ eingespart, sondern auch die regionale Wertschöpfung gestärkt, da konsequent heimische Installationsbetriebe und österreichische Komponenten eingesetzt wurden.

Der Strom aus den drei Anlagen ist größtenteils verkauft, was die Attraktivität und das Vertrauen in das Modell bestätigt.

Ströme ist zudem politischer Impulsgeber geworden: Erfahrungen aus Netzanschlussverfahren und Finanzierungsmodellen fließen aktiv in Gespräche mit Gemeinden und politischen Entscheidungsträger:innen ein.

Kürzlich wurde außerdem der erste gewerbliche Stromabnehmer gewonnen – ein Schritt, der neue Expansionsmöglichkeiten eröffnet. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen mit hohem Tagesverbrauchsprofil können künftig vom Ströme Vorauskaufsmodell profitieren.

So soll es weitergehen

Geplant ist die Errichtung von weiteren PV-Anlagen. Zwei größere Agri-PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 3,4 MWp befinden sich bereits in Vorbereitung und sollen nach Erhalt der notwendigen Genehmigungen rasch umgesetzt werden. Parallel dazu stellt Ströme Überlegungen für Quartierspeicher oder andere Formen der Speicherung an, um die regionale Energie noch effizienter zu nutzen. Bis 2026 soll die Mitgliederzahl auf mindestens 150 steigen.

Das hat die Jury überzeugt

Die Energiegenossenschaft überzeugte die Jury durch ihre Pionierwirkung und den Fokus auf ein neues, zukunftsweisendes Genossenschaftskonzept. „Angesichts der wachsenden Bedeutung der Frage, wem Energie gehören soll, setzt diese Form öffentlichen Eigentums ein starkes Zeichen und dient als Vorbild. Die „Ströme Energiegenossenschaft" verbindet die Energiewende mit Nachhaltigkeit durch vielfältige partizipative Ansätze", so die Jury in ihrer Begründung.

Kooperationspartner:innen

  • Verband Energiewende Ansfelden (Kooperation für Abrechnung und Adminstration),
  • Holzinger & Partner sowie der Österreichische Genossenschaftsverband (Rechtliche und finanzielle Expertise),
  • Atteneder Grafik Design und Felix Gollnhuber (Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Programmierung),
  • Regionale Installationsbetriebe (technische Umsetzung)

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Monika Auer (ÖGUT-Generalsekretärin), Jürgen Hutsteiner und Philipp Hartl (ströme Energiegenossenschaft), Jürgen Schneider (BMLUK). © Katharina Schiffl