ÖGUT-Umweltpreis 2025

Nominiert in der Kategorie "Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement" - Top Down

Gemeinde Leutasch für 

„Nutzungskonzept Pavillionplatz Leutasch: Gemeinsam gestalten, gemeinsam nutzen"

© Mag. Robert Krug

Der neugestaltete zentrale Platz um den Musikpavillon in Leutasch wurde durch Bürger:innenbeteiligung zum lebendigen Dorfzentrum. Gemeinsam entwickelten Einwohner:innen aller Altersgruppen eine ausgewogene Zonierung und Gestaltung - von naturnahem Spielplatz über Veranstaltungsfläche bis zur Ruhezone am Moor. Das Ergebnis vereint Verkehrsberuhigung, ökologische Aufwertung und attraktive Aufenthaltsbereiche zu einem generationenübergreifenden Begegnungsort für alle.

Nutzungskonzept mit Detailplanung

Der Beteiligungsprozess richtete sich an die gesamte Leutascher Bevölkerung, mit besonderem Augenmerk auf die Einbindung verschiedener Altersgruppen. Gezielt angesprochen wurden außerdem lokale Vereine, die den Platz für Veranstaltungen nutzen, und Vertreter:innen des Tourismus, für die der Platz als Visitenkarte der Gemeinde fungiert. Im Mittelpunkt des Partizipationsprozesses stand die gemeinschaftliche Entwicklung eines Nutzungskonzepts mit passender Detailplanung – kein Sammelsurium von Einzelelementen, sondern ein harmonisches Gesamtbild.

Durch die aktive Einbindung der verschiedenen Altersgruppen sollte die Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Platz nachhaltig gestärkt werden, was langfristig eine breite und intensive Nutzung sicherstellt.

Ein Beteiligungsprozess in sechs Phasen

Nach der Prozessvorbereitung erfolgte der Prozess in sechs Phasen:

  • Phase 1: Bildung der Steuerungsgruppe (November 2024): Eine neunköpfige Steuerungsgruppe aus Bürgermeister, Gemeinderät:innen, Amtsleiter, Vertreter:innen des Tourismusverbands und des Regionalmanagements wurde gebildet. Sie klärte Rollen, Ziele und Prozessdesign, definierte Rahmenbedingungen und legte die Kommunikationsstrategie fest.
  • Phase 2: Ideensammlung (Dezember 2024 bis Januar 2025), in die Wünsche zur Platznutzung und benötigter Ausstattung erhoben wurden. Die Ideen konnten niederschwellig über ein Online-Formular, E-Mail und die persönliche Abgabe im Gemeindeamt eingereicht werden. Insgesamt beteiligten sich 36 Personen im Alter von unter 14 bis über 65 Jahren an der Ideensammlung.
  • Phase 3: Auswertung der Ideen durch die Steuerungsgruppe (Februar 2025). Die Ideen bildeten die Grundlage für erste Zonierungsüberlegungen.
  • Öffentliche Planungswerkstatt (April 2025), in der 30 Teilnehmende in Kleingruppen Vorschläge zur Zonierung des Platzes und Anforderungen für die einzelnen Funktionsbereiche anhand großformatiger Luftbilder erarbeiteten.
  • Konkretisierung und planerische Umsetzung (April-August 2025): Die Steuerungsgruppe legte anschließend die finale Zonierung fest und definierte detaillierte Anforderungen. Die Architekten und Landschaftsplaner Felder & Felder erstellten einen konkreten Entwurf, der wiederum in der Steuerungsgruppe besprochen und angepasst wurde, um die Ideen und Bedürfnisse der Bevölkerung bestmöglich zu berücksichtigen.
  • Präsentation und Kommunikation des finalen Nutzungskonzepts (laufend und September 2025): Die Ergebnisse wurden in der Gemeindezeitung vorgestellt und werden nun schrittweise umgesetzt, beginnend mit der Aufwertung des Moorgebiets.

Der Prozess wurde vom Land Tirol (Leitstelle Lokale Agenda 21) finanziell unterstützt, was die professionelle Prozessbegleitung und die Durchführung der Workshops ermöglichten. Die Gemeinde Leutasch stellte ergänzende Ressourcen für die Kommunikation, Räumlichkeiten und Verpflegung bei Veranstaltungen bereit. Die Umsetzung erfolgt schrittweise aus dem Gemeindebudget entsprechend den verfügbaren Mitteln, wobei für einzelne Elemente zusätzlich Förderungen beantragt werden.

Highlights des Beteiligungsprozesses

Mehrere innovative Elemente charakterisieren den Leutascher Beteiligungsprozess:

  • Das geschützte Moorgebiet wurde als Qualitätselement statt als Hindernis integriert. Das Projekt zeigt, wie Naturschutz und öffentliche Nutzung harmonisch verbunden werden können.
  • Die wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Innsbruck ermöglichte eine fundierte Evaluierung der Beteiligung und trägt zur Weiterentwicklung partizipativer Ansätze bei. Die Ergebnisse der Auswertung des Partizipationsprozesses fließen in ein Handbuch ein, das anderen Gemeinden als Orientierung dienen kann.
  • Methodisch innovativ war die Kombination aus breiter Ideensammlung und fokussierter Werkstattarbeit, die eine effiziente Ergebnisfindung unter Einbeziehung vieler Perspektiven ermöglichte. So trugen etwa die Visualisierungsmethoden mit Luftbildern dazu bei, räumliche Zusammenhänge auch für Laien verständlich zu machen.
  • Die balancierte Vorstrukturierung durch die Steuerungsgruppe bot Orientierung, ohne die Kreativität einzuschränken und verhinderte eine Überforderung der Teilnehmenden.
  • Die transparente, kontinuierliche Kommunikation von Projektfortschritten, Grenzen und Möglichkeiten verhinderte von Beginn an unrealistische Erwartungen und förderte einen konstruktiven Dialog über das Machbare.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Wie jeder Beteiligungsprozess stand auch dieser vor Herausforderungen der die Steuerungsgruppe durch transparente Kommunikation über (finanzielle) Grenzen und einem Stufenplan zur schrittweisen Umsetzung begegnete.

  • Geringe Beteiligung von Jugendlichen: Dies wurde dadurch aufgefangen, dass andere Teilnehmende (Familienmitglieder, Vereinsfunktionär:innen) die Interessen der Jugendlichen aktiv vertraten
  • Verschiedene Nutzungsansprüche auf begrenztem Raum: Diese Herausforderung wurde durch eine durchdachte Zonierung gelöst, die ruhigere Bereiche von aktiven Nutzungen trennt.
  • Verkehrsberuhigung vs. Parkplatzbedarf: Letztlich einigte man sich auf eine reduzierte Parkplatzanzahl für den täglichen Bedarf.

Das hat die Jury überzeugt

Die Jury war vom „Nutzungskonzept Pavillonplatz" der Gemeinde Leutasch mit seinem generationsübergreifenden Ansatz, der eine breite Zielgruppe adressiert, überzeugt. „Indem diverse, soziale Gruppen eingebunden wurden, entspricht das Projekt nicht nur der ökologischen, sondern auch der sozialen Nachhaltigkeit", so die Jury in ihrer Begründung.

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