Lebensmittel
Nachhaltige Produkte im Lebensmittelhandel
100% nachhaltige Produkte sind noch kaum vorhanden. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Produkten im Handel, die aufgrund bestimmter Kriterien erhebliche Fortschritte zum Status Quo aufweisen.
Das Label-Programm Lebensmitteleinzelhandel, Bäckereien und Fleischereien der Nachhaltigen Wochen gibt einen Überblick über Labels, Marken bzw. Gütezeichen, die auf Produkten im Lebensmitteleinzelhandel, in Bäckereien und Fleischereien zu finden sind und den folgenden Leitlinien entsprechen:
- BIOLOGISCHE PRODUKTION UND VERARBEITUNG,
- FAIRER HANDEL ("Globale Verantwortung"),
- UMWELTSCHONENDE VERARBEITUNG (z.B. Hygieneartikel) und MEHRWEGGEBINDE
- REGIONALITÄT („Regionale Qualität“)
Biologische Produktion und Verarbeitung
800 Mio. EUR werden allein in Österreich pro Jahr mit biologisch erzeugten Lebensmitteln umgesetzt und rund 20.000 Bio-Bauern bewirtschaften 14 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche unseres Landes. Damit liegt Österreich EU-weit im Spitzenfeld.
Die folgenden Prinzipien liegen der biologischen Landwirtschaft zugrunde und machen die besondere Qualität biologisch produzierter Lebensmittel aus:
- Verzicht auf Gentechnik: Es werden weder gentechnisch verändertes Saatgut und Futtermittel eingesetzt, noch gentechnische Methoden in der Tierzucht angewandt.
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und leicht lösliche mineralische Dünger: Der Boden wird mit hofeigenem Kompost und Tiermist gedüngt bzw. über den Anbau von Leguminosen, die Luftstickstoff binden können, mit Nährstoffen versorgt. In der Schädlingsbekämpfung ist das oberste Prinzip, durch schonende Bodenbearbeitung, Fruchtfolgen, Anbau geeigneter Sorten und Nützlingsförderung Boden und Pflanze gesund zu halten. Kommt es trotzdem zu großen Schäden durch Krankheiten und Schädlinge, werden natürliche Pflanzenschutzmittel wie z.B. Brühen, Jauchen und Gesteinsmehle oder Nützlinge eingesetzt.
- Besonders artgerechte Tierhaltung und Fütterung mit Bio-Futtermitteln: Das Platzangebot und die Ausstattung im Stall sowie der Auslauf/Weidegang sind für jede Tierart genau festgelegt. Vorwiegend hofeigene, biologische Futtermittel kommen zum Einsatz. Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge und Naturheilmittel stehen im Vordergrund, Konventionelle Medikamente der Schulmedizin dürfen nie prophylaktisch, sondern nur nach tierärztlicher Diagnose verabreicht werden.
- Mehr Vitamine und Mineralstoffe: Verschiedene Bio-Obst- und Gemüsesorten enthalten laut zahlreichen Studien tendenziell mehr Vitamin C, Magnesium, Eisen oder Phosphor. Milch und Fleisch von biologisch gehaltenen Rindern haben eine günstigere Zusammensetzung der Fettsäuren.
- Unverfälschter, natürlicher Geschmack: Bei der Verarbeitung biologischer Lebensmittel sind viele Zusatz- und Hilfsstoffe streng begrenzt. Nicht erlaubt ist beispielsweise der Einsatz des Geschmacksverstärkers Glutamat, synthetischer Farbstoffe und Süßstoffe.
- Strengste Kontrollen von staatlich autorisierten Kontrollstellen: Bio-Bauern, Verarbeiter, Lieferanten und Händler von Bio-Produkten werden mindestens einmal jährlich auf die Einhaltung aller einschlägigen Bestimmungen kontrolliert.
Bio-Kennzeichnung
Lebensmittel aus biologischem Anbau werden streng kontrolliert und sind eindeutig gekennzeichnet. Beim Einkauf finden Sie auf jedem Bio-Produkt eine Kontrollnummer: AT-N-01-BIO bedeutet zum Beispiel, dass die Kontrollstelle ihren Sitz in Österreich, im Bundesland Niederösterreich, hat. 01 ist die Nummer der Kontrollstelle selbst.
Viele Bioprodukte sind außerdem mit Siegeln gekennzeichnet, die wichtigsten sind:
- Das Bio-Zeichen der EU
- Das staatliche Bio-Zeichen der AMA
- Das Siegel einer Bio-Kontrollstelle (z. B. Logo der Austria Bio Garantie)
- Das Logo eines Biobauern-Verbandes (z. B.: Bio Austria, Demeter)
- Markenzeichen von Großerzeugern oder Handelsketten (z. B. Natur pur, Ja!Natürlich)
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| EU-Bio | AMA-Bio | ABG | Bio-Austria | Demeter |
Fairer Handel ("Globale Verantwortung")
Viele unserer Lebens- und Genussmittel, wie Kaffee, Tee, Schokolade, Reis oder Bananen kommen aus sogenannten Entwicklungsländern. Die Produktion für den Export ist dort Existenzgrundlage für viele Bauernfamilien. Leider sind die Bedingungen, unter denen diese Produkte produziert und gehandelt werden, nicht immer fair:
Bei uns übliche Sozial- und Umweltstandards werden meist nicht eingehalten. Die ProduzentInnen bekommen oft für ihre harte Arbeit nur einen Bruchteil des Kaufpreises, ein großer Teil landet bei Zwischenhändlern. Teilweise wird ausbeuterische Kinderarbeit oder Zwangsarbeit eingesetzt. Für den Anbau von Exportprodukten werden häufig wertvolle Ökosysteme (tropische Regenwälder) zerstört.
Fair gehandelte und mit einem Gütesiegel versehene Produkte werden nach folgenden sozialen und ökologischen Richtlinien hergestellt:
- Garantierte Mindestpreise über dem Weltmarktniveau und langfristige Abnahmegarantien für ProduzentInnen.
- Den Aufbau von Schulsystemen oder medizinischer Basisversorgung mit Prämien ermöglichen.
- Kleinbäuerliche Strukturen erhalten.
- Durch naturnahe Anbaumethoden Gewässer und Regenwälder schützen.
- Bio-Anbau fördern; bereits 70 % der FAIRTRADE Produkte werden biologisch angebaut.
- Kein Einsatz gentechnisch veränderter Substanzen.
- Strenge und unabhängige Kontrolle der Ursprungsgarantie.
Eines der bekanntesten Gütesiegel ist das internationale FAIRTRADE-Zeichen.
Inzwischen gibt es über 100 verschiedene Kaffeesorten mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel sowie über 40 verschiedene Teesorten. FAIRTRADE ist wirkungsvolle Entwicklungszusammenarbeit und verringert die weltweite Armut: International arbeitet FAIRTRADE bereits mit rund 630 zertifizierten Produzentenorganisationen zusammen.
Mehrweggebinde
Ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz ist der Griff zu Mehrweggebinden. Mehrweggebinde haben eine deutlich günstigere „Ökobilanz“ als Einwegverpackungen, d.h. sie wirken sich im Lauf ihres „Lebenszyklus“ weniger nachteilig auf die Natur aus. Durch ihre wiederholte Benützung werden Energie und Rohstoffe eingespart.
Das Österreichische Umweltzeichen wird für Mehrweggebinde vergeben, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Das Mehrweggebinde muss mindestens 12 Umläufe aufweisen
- Detaillierte Materialanforderungen (minimaler Einweganteil, besondere Anforderung bzgl. Etiketten, Verschlüsse und Transport- und Verkaufseinheiten)
- Anforderungen an den Abfüllprozess hinsichtlich Luftemissionen, Abwasserbelastung, Reinigung, Wäsche, Energie und Entsorgung
- Gebrauchstauglichkeit und Deklaration
Auch das Österreichische Mehrweg-Logo weist auf umweltfreundliche Mehrwegverpackungen hin.
Abgesehen von den ökologischen Vorteilen von Mehrwegverpackungen entsteht auch ein ökonomischer Nutzen. Während Plastikflaschen aus dem teuren, importierten Rohstoff Erdöl hergestellt werden, schaffen Mehrwegsysteme durch geschlossene Kreisläufe eine höhere regionale Wertschöpfung.
Regionale Qualität
Die regionale Herkunft ist für immer mehr KonsumentInnen ein wichtiges Merkmal beim Einkauf von Lebensmitteln. Einheitliche Kriterien bzw. Richtlinien für regionale Lebensmittel und somit eine klare Erkennbarkeit sind jedoch noch unzureichend vorhanden.
Beispielsweise sagt die Verarbeitung in einem regionalen Betrieb häufig noch nichts über die Herkunft der Rohstoffe aus. Mit anderen Worten, auch das Brot eines regionalen Bäckers wird mitunter aus Backmischungen global agierender Backmittelfirmen hergestellt. So werden zwar regionale Arbeitsplätze erhalten, eine Verkürzung der Transportwege allerdings nicht erreicht.
Ein regionales Lebensmittel, das in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht nachhaltig ist, zeichnet sich durch Einhaltung von überprüfbaren Herkunftskriterien und Erfüllen von Qualitätsstandards aus.
In diesem Sinne leisten regionale Lebensmittel einen entscheidenden Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, zur Verkehrsreduktion und zur Stärkung der regionalen Wirtschaft.
Für regionale Produkte, die im Rahmen der Nachhaltigen Wochen ausgelobt werden, gelten folgende Kriterien:
- Eine Region ist kleiner als Österreich, d.h. ein Bundesland oder eine Gegend (Bsp. Salzkammergut, Zillertal).
- Hauptbestandteile/ -rohstoffe des Produktes müssen aus dem Bundesland der Produktionsstätte stammen.
- Zusätzliche Qualitätsstandards müssen eingehalten werden (Bsp. AMA-Gütesiegel, Biologische Produktion oder Tierschutzgeprüft etc.)
Weitere Marken und Gütesiegel für regionale Qualitätsprodukte mit nachvollziehbaren Kriterien sind beispielsweise „Ländle“ als spezielle Herkunftsbezeichnung für Produkte aus Vorarlberg, sowie „Qualität aus Tirol“ (hier am Beispiel Käse).
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| Ländle luag druf | Qualität aus Tirol | Echt aus NÖ |
Österreichische Gesellschaft
für Umwelt und Technik
Hollandstraße 10/46
A-1020 Wien
Tel +43.1.315 63 93
Fax +43.1.315 63 93-22
E-Mail office@oegut.at
Weiterführende Informationen
Kontakt
Mag.a Henriette Gupfinger
Tel.: DW 34
Mag.a Susanne Hasenhüttl
Tel.: DW 35
Mag.a Andrea Ebner-Pladerer (dzt. in Karenz)
DIin Julia Elpons (dzt. in Karenz)




